Die Lehrer
Der gute Lehrer

(Originaltext: Johannes Greving)


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Johannes Greving, ein Gymnasiallehrer, hat mit Studenten der Universität Oldenburg Schülerurteile über Lehrer genauer untersucht. Den Schülern wurde zur Einstimmung eine kurze Geschichte vorgelegt (*):
 
"Im fernen Lande Futopien liegt das Schulwesen völlig im argen. Um es zu beleben, werden weltweit gute Lehrer gesucht. Weil die Gesandtschaft aus Futopien vom Schulwesen in Nordrhein-Westfalen auch nicht gerade überwältigt ist, wollen die Damen und Herren von Deiner Schule die besten Lehrerinnen und Lehrer entführen. Sie finden sich aber unter den vielen Lehrkräften nicht zurecht und wissen nicht, woran sie merken können, ob ein Lehrer gut, mittelmäßig oder schlecht ist. Du möchtest ihnen gerne helfen und denkst dabei an zwei, drei Deiner eigenen Lehrer. Dann berichtest Du von den Erfahrungen mit ihnen:"

 

Bei der Test-Auswertung zeigte es sich sehr schnell, daß man drei Haupt- und eine Reihe von Untermerkmalen benennen konnte, die nach erstaunlich gleichartiger Ansicht der Schüler gute Lehrer ausmachen:

 

1. Merkmalsklasse: Unterrichtsmethoden
Abwechslung:
Der Unterricht ist abwechslungsreich und verläuft nicht immer nur nach Schema "F" (Hausaufgaben nachsehen, neuen Stoff erfahren, neue Hausaufgaben erteilen). Die Vermittlung des Stoffes erfolgt manchmal mit Hilfe neuer, schülergerechter Methoden.

Begeisterung/fachliche Fähigkeit:
Der Lehrer ist selber begeistert von dem Thema, das er mit den Schülern erarbeitet. Man spürt als Schüler, daß er gerne unterrichtet und mit Freude am Beruf Lehrer geworden ist und sein Fach beherrscht.

 

2. Merkmalsklasse: Notengebung

Lehrer geben gerechte Noten nach bestem Wissen und Gewissen. Sie gehen verantwortlich damit um und nutzen die Notengebung nicht dazu, um Schüler zu disziplinieren.
Sie decken ihre Beurteilungsmaßstäbe auf, lassen Rückfragen und kritische Einwände zu und geben zu erkennen, daß Noten nicht willkürlich verteilt werden.

 

3. Merkmalsklasse: Persönliche Eigenschaften
Humor:
Der Lehrer ist humorvoll und merkt auch, wenn Schüler etwas im Scherz sagen. Er ist nicht gleich beleidigt, wenn Schüler den Spieß herumdrehen. 

Schlagfertigkeit/Esprit:
Nach längeren Phasen mühsamer und vielleicht sogar unangenehmer Arbeit gibt es Momente der Entspannung, die der Lehrer mit Geschichten oder Witzchen auflockert, die vielleicht nichts mit dem Thema zu tun haben. 

Einfühlungsvermögen:
Der Lehrer kann sich in Probleme und Denkweisen der Schüler hineinversetzen - aber nicht, um sich anzubiedern, sondern um auf Sorgen und Nöte der Schüler angemessen zu reagieren. Man kann auch "privat" mit ihm ganz normal sprechen. 

Berechenbarkeit:
Schüler billigen Lehrern durchaus die normalen menschlichen Launen zu, aber sie erwarten eine gewisse Kalkulierbarkeit im Verhalten. Sie wollen wissen, wo sie mir ihrem Lehrer dran sind. 

Kritikfähigkeit/Toleranz:
Toleranz und die Trennung von sachlicher und persönlicher Ebene zeichnet u.a. den kritikfähigen Lehrer aus. Eine Beschwerde über eine Klausur wird z.B. nicht gleich persönlich genommen. 
Im Unterricht kann der Schüler seine eigene Meinung äußern, und zwar unabhängig von der Ansicht seines Lehrers. Er beurteilt nur die Qualität der Begründung.



Bemerkung:
 
J. Greving [Seite 26]), gekürzt und leicht verändert
letzte Seitenänderung: 14.8.1998

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