Schüleraustausch
USA: Besuch und Gegenbesuch

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Bürger der ganzen Welt
sein zu wollen,
nicht nur einer einzigen Stadt...

...war der sehnlichste Wunsch der Erasmus-Schülerinnen und -Schüler

Jan Engartner, Benedikt Fabian, Carsten Krause, Christian Lambertz, Birgit Mikus, Markus Müller, Susanne Nemitz, Philipp Schuchall, Peri Somer, Malte Spiegelhoff und Julia Zeies aus der Klasse 10a und der Jahrgangsstufe 11, die sich im März diesen Jahres mit ihrem Reiseleiter Herrn York Buttler voller Erwartungen aufmachten, um an der Partnerschule Mount Vernon High School in Alexandria, Virginia, am Südrand von Washington, DC, Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika, gelegen, den berühmten amerikanischen Traum mit nur aus Briefen und Telefonaten bekannten Menschen und nur in der Literatur beschriebenen Orten selbst zu erleben und Wirklichkeit werden zu lassen..

Um dies zu ermöglichen, hatten die Gastgeber unter der Leitung des Deutschlehrers Herrn John Frerichs, der stellvertretenden Schuldirektorin Frau Helena Bratten und der Schulleiterin Frau Dr. Calanthia Tucker, wie bereits bei den beiden internationalen Begegnungen 1993 und 1996, ein vielfältiges und anspruchsvolles Besuchsprogramm zusammengestellt. Thematische Schwerpunkte bildeten dabei die politische Machtzentrale einer Nation bzw. der Weltmacht mit ihrer sich selbst kontrollierenden Teilung der politischen Macht, die im Grundriß der Mall durch klassisch anmutende imposante Bauten, wie das Weiße Haus, das Kapitol und dem Obersten Bundesgerichtshof besonders augenfällig wird.

Senator Dirk Kempthorne vom Staate Idaho ermöglichte der Gruppe eine private Führung durch das Kapitol und begrüßte trotz seiner knapp bemessenen Zeit die Amerikafahrer auf den Stufen des Kapitols.

Die Selbstdarstellung und Interessenvertretung Deutschlands in den USA wurde bei einem Besuch der Deutschen Botschaft (*) mit den amerikanischen Gastgebern durch den deutschen Kulturattaché vorgestellt und (auch kritisch) angesprochen. Bei mehreren Besuchen der Smithsonian Museen in der Mall konnten sich die SchülerInnen auf eigene Faust einen ersten Eindruck vom Entdeckergeist und der Schaffenskraft dieser Nation in künstlerischen, naturwissenschaftlichen, technologischen, sozialen und politischen Lebensbereichen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aneignen.

Diese neu erworbenen Kenntnisse wurden weiter ergänzt durch Besuche berühmter Orte, wie das Landhaus des ersten Präsidenten, George Washington, Mount Vernon Estate, das Schlachtfeld des Bürgerkrieges bei Manassas, in dessen Geschehen uns ein amerikanischer Lehrer in der Schule einführte.

Die regelmäßige, meist ganztägige Teilnahme am Unterricht empfand diese Gruppe nicht als eine unvermeidbare Pflicht, sondern als willkommene Chance, Vergleiche mit der Unterrichstwirklichkeit am Erasmus Gymnasium anzustellen und neue Freunde kennenzulernen. Eine besonders angenehme Tätigkeit stellte dabei die allmorgendliche Lektüre der elektronischen Zeitungen in Deutschland über Internet dar, z.B. der heimischen RP.

Das große Schulgebäude wird zur Zeit vollständig renoviert und u.a. auf die (elektronischen) Bedürfnisse der Zukunft eingestellt, d.h. jedes Klassenzimmer verfügt dann über einen Internetanschluß. Briefeschreiben ist bei den meisten amerikanischen SchülerInnen 'out'; eine e-Mail abzuschicken und zu empfangen dagegen 'in'. Dies gilt inzwischen auch für einige deutsche SchülerInnen.

Neben dieser High -Tech-Gesellschaft existiert in Lancaster County im Bundesstaat Pennsylvania als beeindruckender Kontrast eine Lebensgemeinschaft, die Amish People, die im Alltagsleben ohne Elektrizität aus der Steckdose auskommen müssen und ihre meist wohlhabenden Farmen wie in grauer Vorväterzeit mit Pflug und Pferdekraft und altbekannten Ackergerätschaften bewirtschaften. Fortbewegen darf man sich nur zu Fuß oder mit einem Roller; das Autofahren ist nicht erlaubt. Angelpunkt des auf die Familie ausgerichteten Lebens ist die Farm oder ein handwerklicher Betrieb. Statt Pferdekräfte unter der Haube ziehen dunkle Pferde aus Fleisch und Blut schwarze Einspänner (buggies) über die Straße, von bärtigen und schwarz gekleideten Männern mit großkrempigen Hüten gelenkt. Der fast überall gegenwärtigen Vergötterung des Ichs im amerikanischen Streben nach Glück wollen diese Menschen nicht folgen, sondern sie setzen das Wohl ihrer (religiösen) Gemeinschaft in höchster persönlicher Bescheidenheit, Gehorsam und Ehrfurcht vor Gott über das eigene Wohlergehen, für uns Besucher eine fürwahr zum Nachdenken herausfordernde Facette des American way of life, der sich für manchen Zeitgenossen oft nur auf die Jagd und den Besitz von Dollarnoten und deren materiellen Gegenwerte reduziert.

Die Gastgeber gehörten aber nicht zu dieser Spezies, sondern sie scheuten keine Mühen und persönlichen Einsatz, um unseren Aufenthalt so angenehm und interessant wie möglich zu gestalten. So besuchten einige Schüler mit ihren Familien die Städte New York, Baltimore, Philadelphia u.a.m. Auch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die einsatzfreudigen 'volunteers'!

Tagebücher - an dieser Stelle sollen die Aufzeichnungen in Bild, Text und Realia von Benedikt lobend erwähnt werden, er hat dafür einen Preis gewonnen - haben in liebevoller Weise unvergeßliche Momente des fröhlichen und nachdenklichen Miteinanders von Deutschen und Amerikanern festgehalten.
 

Gegenbesuch unserer amerikanischen Freunde

Diese Begegnung im Frühjahr hat den Gastgebern so gut gefallen, daß sie sich in relativ großer Zahl entschlossen, in das in Amerika nicht ganz so bekannte Rhineland zu fahren.

Wes Hunt, Jonathan Lewallen. Krissi Moran, Christina Wendel, Aaron Grigsby, Allison Mclane, Mike Legge, Heather Cox, Trey Walker, Meghan Markman traten mit ihrem Deutschlehrer Herrn John Frerichs die Reise mit dem gleichen Flugzeug in Gegenrichtung an. Vom 18.06. bis 03.07.98 hielten sie sich im Viersener Raum auf und erlebten eine ähnliche Palette des German way of life, wie wir im Frühjahr: Sie gewannen Einblicke in ein dem Ende zustrebenden Schuljahr mit feierlichen und fröhlichen Abiturfeiern, Teilnahme am Unterricht und schulischen Leben, Erkundung von Städten, wie Aachen, Bonn, Köln, Xanten, deren Ursprünge über das Mittelalter in - für amerikanisches Zeitbegriffe fast unvorstellbar - die Römerzeit reichen und überall auch bei Bauwerken sicht- und greifbar sind.

Faszinierend für die Gäste auch die Vorstellung, daß man auf Schusters Rappen und Stadtplan auf eigene Faust einen Stadtkern oder die erholsamen Süchtelner Höhen erwandern und erforschen kann, so wie es ihnen der in der ersten Schulstunde von Herrn Stoffel überreichte mit einer Sonne bemalte Rucksack zum Auftrag machte. Die beindruckende Fahrt auf dem Rhein mit dem echten Raddampfer Goethe erinnert sie da schon eher an den Mississippi- Dampfer, der auf dem Potomac River zwischen Washington,DC, Alexandria,VA und Mount Vernon gemächlich daherpaddelt und fußmüde oder -faule Touristen trägt. Das Fahrrad und die einst ur-amerikanische Eisenbahn empfanden sie als exotische, aber bei den kurzen Entfernungen doch recht praktische und kostengünstige Verkehrsmittel. So erlernten einige amerikanische Schüler bei diesem Austausch das Fahrradfahren.

Der Bus als Transportmittel nach Paris und zurück an einem Tag war sicherlich auch ein besonderes Erlebnis.

Ein weiterer Schüler lernte das deutsche Ferienleben auf der holländischen Insel Texel kennen.

Ernstere Themen, im Haus der Deutschen Geschichte in Bonn, erfuhren sie anhand verschiedener Medien und Realgegenständen über den steinigen aus einem schrecklichen Abgrund herausführenden Weg zur Demokratie und wirtschaftlichen Wohlergehen der jungen Bundesrepublik. Die vom Bundestagsabgeordneten Herrn Julius Louven organisierte englischsprachige Führung durch den Bundestag beeindruckte die jungen Amerikaner ob der Transparenz des Baukörpers, seiner modernen Kunstwerke und der "fetten Henne", in der ein Schüler einen Falken erkennen wollte. Natürlich ist die Regierungsmeile am Rheinufer nicht ganz so imposant wie die weitflächige Mall in DC, aber bekanntlich handelt es sich bei Bonn um eine provisorische Hauptstadt.

Zurück in Viersen, nach einer gelungenen Farewell Party bei Familie Fabian sind die amerikanischen Teilnehmer der internationalen Begegnung inzwischen an ihrem Heimatort wieder wohlbehalten eingetroffen. Besonders freute sich Wes, der für eigene Filmaufnahmen immer auf der Suche nach einem Schwert war. Dies fand er in Viersen, und es gelang ihm sogar, diese "Waffe" durch verschiedene Sicherheitskontrollen an Einwanderungsbeamten vorbei nach Alexandria, VA zu schaffen. Ein fürwahr spezielles Souvenir! Im Jahre 2000 soll die nächste Begegnung stattfinden; wird die Love Parade in Berlin dann ein Programmpunkt sein?

Bis dahin wünsche ich allen Erasmus-Anhängern viel Spaß und Erfolg beim transatlantischen E-Mailen! Adresse der MVHS Homepage:

http://www.fcps.k12.va.us/MtVernonHS

York Buttler


(*) Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
4645 Reservoir Road, N. W., 
Washington, D.C. 20007-1998/USA

Tel. : 001-202 / 298-8140, 
Fax: 2 98 42 49 oder 3332653, 
e-mail: GE-EMBUS@ix.netcom.com

letzte Seitenänderung: 28.8.1998

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